Wanderruderfahrt Unstrut - Saale

Beitrag von Uwe Rink, 10.10.2017, bisher angezeigt: 162

Roßleben - Halle, 29.09.2017 bis 03.10.2017, Wanderruderfahrt

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Anreisetag am 29.09.

Der Anreisetag mit strahlend blauem Himmel schien ein guter Auftakt für die bevorstehende Wanderfahrt zu sein. Mit zwei Autos haben wir den Wochenendverkehr und die Baustellen auf der Autobahn gut überstanden. Pünktlich am Nachmittag kamen wir am Bootshaus des Rudervereins Roßleben an. Nach Anriggern der beiden Boote ging es weiter in die Unterkunft Pension „Am Weinberg“. Michael und Thomas fuhren die Autos zum Halleschen Ruderverein Böllberg – Endstation der Wanderruderfahrt -, wo Tom die beiden mit seinem Auto erwartete. Währendessen wurde von den in Roßleben verbliebenen der große Einkauf für den Abend gemacht. Inzwischen kam dann auch Torsten aus Köln. Und überhaupt waren alle früher eingetrudelt als angenommen. Für das Abendessen mussten Unmengen an Gemüse und Obst verarbeitet werden. Hauptgericht „Ratatouille“ und Dessert „Garnierte Obstplatte“. Da die Köchin von Roßleben darauf bestand, die Zucchinischeiben einzeln und von beiden Seiten anzubraten, zog sich die Vorbereitung des Abendessens um Stunden hin. Umso genüsslicher war dann der Ausklang des Abends mit gutem Essen, Wein, Bier und gemütlichem Beisammensein am großen Gästetisch in etwas kitschig eingerichteter Gaststube.

Rudertag am 30.09. von Roßleben nach Freyburg (4 Schleusen, eine Seilfähre, 43 km)

An dieser Stelle muss die akribische Planung und Organisation unser Fahrtenleiterin Franz erwähnt werden. Ein dreifaches Hoch für die Fahrtenleitung!!! Bereits am Vorabend wurden wir als norddeutsche Flachlandtiroler und –ruderer, die gewohnt sind auf trägen Gewässern zu rudern, auf mögliche Gefahrenstellen und Verhaltensregeln unterwiesen: ungewohnte Schleusenkammern in Trogform beidseits mit Schrägwänden und Absätzen, seitliche Strömungen ausgehend vom Wehr beim Verlassen der Schleusenkammern, Untiefen im Fluss, Stromschnellen, Engstellen und behindernde Schwimmblattvegetationen. Die längste Teilstrecke musste gleich am ersten Tag bewältigt werden. Die Fahrt ging an Weinbergen, Burgen und Schlössern parallel zur Weinstraße Saale-Unstrut entlang. Die Strömung der Unstrut war deutlich spürbar. Angenehm war der geringe Bootsverkehr auf dem Gewässer. Vor Laucha haben wir ein orangefarbenes Schlauchboot mit „sexy“ Männern überholt. Der Mann mit dem Klempnerdekolleté winkte uns freundlich zu. Nach einer Mittagspause an der Schleuse bei Laucha ging es weiter nach Freyburg. Dort angekommen, haben wir uns erstmal auf die verschiedenen Unterkünfte verteilt. Große Aufregung gab es bei Kai und Michael, die ein Appartement in Originalausstattung der 1960ér Jahre mit quietschendem Ausziehbett und durchgesessenem Kunstledersofa hatten. Ein Insektenstich in der Nacht gab Kai für den nächsten Tag den Rest: Wanzen können ja bekanntlich in Sofaritzen über Jahrzehnte überleben.

Nachmittags schleppten wir uns auf einen Berg zum Schloss Neuenburg. Die Anstrengung wurde durch einen schönen Blick über Unstrut und Tallandschaft belohnt. Zum Abendessen ging es ins Restaurant Kraft in Freyburg. Ein jüngerer Mann von athletischer Gestalt und geschnittenen Augenbrauen, der sich als schwuler Chef des Restaurants herausstellte, bediente uns sehr fachmännisch. Er hatte sichtlich Freude mal einen Schwuppenhaufen in homophober Einöde zu bedienen: kommt hier nur alle 10 Jahre vor! Unsere Fahrtenleitung war sichtlich aus dem Häuschen als hin und wieder der junge Koch in den Gastraum trat, worauf Franz gleich einen Jungburgunder bestellte: allgemeines Gelächter - na dann prost!

Rudertag am 01.10. von Freyburg nach Weißenfels (2 Schleusen, 22 km)

Der Himmel war bedeckt, aber die Witterung war trocken. Hin und wieder winkte uns Tom, der parallel mit dem Auto fuhr und den Landdienst übernahm, von Brücken und vom Ufer aus zu. Der Höhepunkt des Tages war die Mittagspause in Naumburg mit Stadtrundgang und Besichtigung des Doms. Bei Naumburg fließt die Unstrut in die Saale. Auf dem Marktplatz wurde über verschiedene Baustile diskutiert: Renaissance oder eher Spätgotik, nein die Fensterform deutet eher auf ersteres hin. Zum Mittag kehrten wir in einer Gaststube ein: Kuchen erst ab 15:00 Uhr, nun ja das Mittagessen will auch an den Mann gebracht werden. Weiter hasten. Der Dom ist wirklich sehenswert und knapp am Status eines UNESCO-Weltkulturerbes vorbeigerutscht. Höhepunkt des Domrundgangs war die berühmte Figurengruppe mit Uta und Eckehard. Für Kunstbanausen: es handelt sich um spätromanische Steinfiguren. Eine gewisse Aufmerksamkeit erregte eine Touristengruppe die von einem jungen Mann – schlanke Erscheinung mit optimierbarer Frisur und der Stimme eines 80-jährigen - geführt wurde. Einige Gruppenteilnehmer amüsierten sich über die dünnen Beine des jungen Mannes.

Der Nachmittag im Ruderboot verging schnell und so erreichten wir am frühen Abend Weißenfels. Die Unterkunft war im Sport-Tourist-Hostel. Zum Abendessen ging es in die Altstadt zum Inder. Die Altstadt von Weißenfels hat ihren besonderen Scharm, da bis heute eine Sanierung ausblieb. Das indische Essen war gut, auch konnte auf internationale Küche ausgewichen werden. Zum Absacken besuchten wir abschließend ein Pub in einem historischen Gebäude. Wir saßen alle an einem schweren alten Eichentisch in schummriger Beleuchtung und stemmten wie die alten Landsknechte große Biere. Die Bilderausstattung an den Wänden wies darauf hin, dass hier an diesem Tisch 1632 Gustav Adolph II von Schweden seziert wurde, nachdem er in der Schlacht bei Lützen gefallen war (30-jähriger Krieg): seitdem wurde aber die Tischdecke mehrmals gewechselt!

Rudertag am 02.10. von Weißenfels nach Merseburg (6 Schleusen, 33 km)

Dichte Wolkendecke, Nieselregen. Oh Shit! Eingemummt in Regenklamotten ging es auf der Saale weiter. Die Strömung des inzwischen breiten Flusses ist nun deutlich langsamer, sodass Kai als Steuermann in die Richtung steuern wollte, aus der wir kamen. Sechs Schleusen mussten wir an diesem Tag bewältigen. Zwischenstopp gab es bei einem Kanuverein. Hier konnten wir auf der Veranda uns die Nässe abschütteln. Ein Volkslied „An der Saale weißen Strande“ konnte in seiner Aussage nicht bestätigt werden: die wenigen offenen Uferstellen mit Sand waren grau oder dunkel. Durchgenässt erreichten wir schließlich Merseburg. Nachdem die Boote untergebracht waren, mussten wir unter einer überdachten Haltestelle auf den nächsten Bus warten. Im Hotel Ritters Weinstuben haben wir uns erstmal aufgewärmt und die Klamotten zum Trocknen aufgehängt. Abendessen gab es im Kartoffelhaus mit netter Kellnerin.

Rudertag am 03.10. von Merseburg nach Böllberg bei Halle (1 Schleuse, 15 km)

Das Wetter war uns wohl gesonnen und die Klamotten vom Vortag waren trocken. Gegen Mittag erreichten wir den Halleschen Ruderverein Böllberg. Nach dem Abriggern und Verladen der Boote konnten wir erstmal duschen und die Sachen wechseln. Ein Ausflug in die Altstadt Halle war nach 113 km Ruderstrecke ein guter Abschluss. Hier konnten wir hinter Händels Rücken auf dem Marktplatz als Ausgleichssport fette Torten und kalorienreiche Kuchen stemmen und schlemmen. Dann ging es weiter nach Berlin-Grünau. Insgesamt war es eine schöne und abwechslungsreiche Wanderruderfahrt. Der Fahrtenleitung und Tom als Landdienstmann nochmals schönen Dank! Wir werden von der Fahrt noch lange zehren.