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Feierlichkeiten zum 11. Queerschlag-Geburtstag in Kühlungsborn, Gebiet der ehemaligen DDR Aus Anlass des 11. Geburtstages des Zentralkomitees der Vereinigung homosexueller Ruderer und Ruderinnen "Queerschlag" rief der Sekretär der Betriebsgewerkschaftsleitung Jens S. zu einer gemeinsamen Erholungs- und Schulungsreise nach Kühlungsborn auf. Freudig nahmen die Mitglieder der Sportgruppe "27. Februar" diese Anregung auf und stimmten in offener Abstimmung einstimmig für den Vorschlag.

Motiviert und voller politischer Überzeugung übernahmen einige Mitglieder Aufgaben in der Vorbereitung, die deutlich die tiefe Verbundenheit mit den Idealen und Zielen des 10. Parteitages ausdrückten. Der stellvertretende Kassenwart Adrian B. zeigte großes Geschick beim Organisieren von Lebensmitteln, die aufgrund der Wasserknappheit in den befreundeten sozialistischen Bruderländern derzeit einem kleinen Engpass unterlagen. Der stellvertretende Sport- und Freizeitwart Marcus L. scheute keine Zeit und Mühen, um neben den obligatorischen Schulungs- und Versammlungszeiten auch die Freizeit im Sinne eines sozialistischen Unternehmungsgeistes einheitlich zu organisieren.

Die Schriftführerin der BGL, Thea K., organisierte voller Elan den Anmeldeprozess, wobei strikt auf die Einhaltung der vereinbarten Zeiten und Meldefristen geachtet wurde. Und so begaben sich am Freitag nach der Arbeit in der sozialistischen Produktion, im Bildungswesen, in der Elektrotechnik, der Chemie und dem Dienst am Menschen, nach Seminarende und Schichtdienst 11 Werktätige und Studenten auf den Wege in den Norden unserer schönen Heimat. Besonders freuten wir uns, mit Hans-Jürgen auch einen Freund und Genossen aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet jenseits des Rheins begrüßen zu können.

Bei stärkendem Kaffee und Kuchen wurde unter Anteilnahme der örtlichen Bevölkerung das Motto der diesjährigen Schulungsveranstaltung festgelegt: "Wie lange kann ein homosexueller Mann über Dinge des Alltags sprechen, ohne eine sexuelle Anspielung zu tätigen?" Zwar protestierten einige Mitglieder unserer Schulungsgruppe wie Andreas B. und Javier S. gegen diese getroffenen Unterstellung, aber Thea K. und Huguette S. ließen sich von ihrer Hypothese "nicht mehr als 30 Sekunden" nicht abbringen. Während Gertrud W. nach aufopfernder Tätigkeit im Bildungswesen die vollen Züge der Deutschen Reichsbahn genoss, begaben sich neben den bereits genannten Schulungsmitgliedern auch Basti P. und Christoph S. in den Wettbewerb "Schöner unser gemeinsames Abendessen - Überholen ohne Einzuholen" in den Abteilungsprozessen Tomatenschneiden, Nudeln kochen, Käse reiben, Salat waschen und Möbel durch die Gegend tragen.

Während des gemeinsamen Abendessens stellte sich zwar heraus, dass auch homosexuelle Frauen manchmal nicht mehr als 5 Minuten schweigen können, angesichts von propagandistischen Begrifflichkeiten wie "Riementraining" und "Potenzzahlen" musste auch Thomas J. zugeben, dass es ihm wie anderen Teilnehmern schwer fällt, diese Begriffe ohne anzügliches Lächeln auszusprechen. Und so verbrachten wir den Abend mit der Leerung diverser Flaschen "Rosenthaler Kadarka"; außer Andreas B., der nach dem Auskurieren einer imperialistischen Virusinfektion immer noch nicht im Vollbesitz seiner normalen Kampfkräfte war. In einer unglaublichen und noch nie da gewesenen oppositionell-opportunistischen Abstimmung wehrte sich ein Großteil der Schulungsgruppe gegen den vorgesehenen Samstagsbeginn: 6 Uhr Wecken, 6:05 Uhr bis 6:25 Uhr gemeinschaftliche Körperertüchtigung mit Dauerlauf und Panzerkettengliederstemmen am Strand, 6:25 Uhr bis 7 Uhr Morgentoilette, 7 Uhr bis 7:30 Uhr Frühstück, 7:35 Uhr Abmarsch zum gemeinschaftlichen Wandern.

BGL-Sekretär Jens S. wurde hier auf eine defätistische Art und Weise unterlaufen, die auf jeden Fall noch disziplinarische Folgen im Rahmen der kommenden Partei- und Sportgruppenversammlungen haben wird. So kam es zu einer sehr unsozialistischen, um 9 Uhr beginnenden Frühstücksorgie, für deren Organisation und Berücksichtigung von Sonderwünschen dem stellvertretenden Kassenwart Adrian B. noch einmal herzlich zu danken ist. Ein positiver Nebeneffekt war die gemeinsame Beseitigung des jahrelang herrschenden Mangels an Quitten für die Zubereitung schmackhafter Marmeladen und Gelees durch die Initiative des Mitglieds Thomas J. Während des Frühstücks musste allerdings leider festgestellt werden, dass der vorhandene "Rohrzucker" einen Großteil der anwesenden Männer wieder zu nicht zitierbaren Äußerungen sexuellen Inhalts veranlasste. Frisch gestärkt begab sich die Gruppe am Strandübergang 8 (neben dem Grenzkontrollturm) auf die Schulungsreise.

Individualistischen Tendenzen, z. B. einem Abbiegen zu einer öffentlichen Herrentoilette, wurde rechtzeitig Einhalt geboten. Nach ca. 2 Stunden strammen Fußmarsches entlang der sturmgepeitschten und aufgewühlten wilden Ostsee (anderslautende Beobachtungen sind reine Erfindung des Klassengegners), nach langem und heroischem Kampf gegen die Naturgewalten und schier übermenschlichen Kraftanstrengungen erreichte die Gruppe schließlich total erschöpft das Seebad Heiligendamm. Hier konnten wir besichtigen, wie die menschenverachtende kapitalistische Wirtschaftspolitik zu einem Verfall ganzer Kuranlagen und Häuserzeilen geführt hat. Allerdings fanden Adrian B. und Huguette S. am Rande des Kurparks ein Haus hinter den Dünen, das hervorragend für ein Agitiations- und Versammlungszentrum unserer Rudergruppe geeignet wäre. Die freiwillig-obligatorischen Subbotniks für die nächsten 10 Jahre wurden bereits festgelegt und werden in der nächsten BGL-Sitzung für alle Gruppenmitglieder verbindlich verkündet. Nach einem kleinen Imbiss im Vereinslokal eines nicht mehr existenten Golfplatzes (der tiefgekühlte Kuchen und die Fertigwaffeln wurden zu Berliner Preisen angeboten) marschierten wir mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen entlang der Flurgrenzen der LPG "Fortschritt" in Richtung Bad Doberan.

Die Klagen von Javier S. über eine Blase am Fuss, deren Ausmaße angeblich bereits Fußballgröße erreicht hätte, konnten leider nicht berücksichtigt werden. Leider kam es weiterhin zu einer dramatischen Situation, als Hans-Jürgen einen Apfelgriebsch lediglich 1,25 m die Böschung des Feldes empor schleudern konnte. An dieser Stelle traten Vergangenheitstraumata zutage, die nur durch den kollektiven Trost aller Anwesenden ("is schon doof, wenn man aus dem Dekolletee-Griff heraus werfen will") beseitigt werden konnten. Die letzte Strecke bis Bad Doberan mussten alle Teilnehmer die unterwegs angetroffenen Ver- und Gebotsschilder wie "Kontrolle der Kurtaxe", "Absperrpfosten in 20m entfernen", "Radfahrer absteigen", "Betreten der Dünenanlagen verboten - Unfallgefahr" auswendig lernen und unter strenger Kontrolle von Huguette S. und Gertrud W. rezitieren. Die Gruppe drohte beim Erreichen Bad Doberans aufgrund unterschiedlicher Interessenslagen zu zerbrechen. Selbst Interventionen von Jens S. konnten abweichlerische Tendenzen in Richtung des weltweit agierenden Großkonzerns "Stadtbäckerei Junge" nicht verhindern. So verbrachte nur ein Teil unserer Gruppe die Zeit bis zur Abfahrt der weltbekannten "Molli" mit dem eifrigen Studium der Geschichte des Zisterzienserkloster und des angeschlossenen Klosterladens, während ein kleiner Gruppenteil sich der antisozialistischen Völlerei hingab.

Nachdem Hans-Jürgen mit vorbildlichem Engagement der Verschmutzung unserer schönen Heimat durch brennende Zigarettenkippen entgegentrat, nahte auch schon der Höhepunkt unserer Reise: Die Fahrt mit MOLLI, der Marxistischen Offenen Land und Leute Initiative. Vom freundlichen Schaffner begrüßt und unter ständigem Abspielen der "Internationale" durch die Lokglocke, durchreisten wir die Landschaft - der Lokführer im Rahmen des Wettbewerbes "Hol aus dem Kessel raus was drin ist, ist gleich Feierabend!" unter Aufbietung seines ganzen fahrerischen Könnens. Ob die ausgestoßenen Dampfwolken das Schmelzen der Polkappen sowie die Reduzierung der Artenvielfalt an sibirischen Flüssen mitverursachen werden, konnte durch die Schulungsteilnehmer noch nicht festgestellt werden. Und so trafen wir gegen halb sechs müde, aber geschult und zufrieden in Kühlungsborn ein. Am Abend versammelten wir uns pünktlich in der HO-Gaststätte "Alte Brauerei", um halbwegs freundlich im nicht ausgebuchten Restaurant platziert zu werden.

Nach der Bestellung diverser leichtalkoholischer Getränke entschied sich der größte Teil der Gruppe aus Solidarität mit den verarmten Viehzüchtern in der inneren Mongolei für Schnitzel in diversen Variationen. Überraschenderweise sagte die bedienende Service-Fachkraft sogar die Erfüllung von Sonderwünschen zu. Diese durchaus verblüffende Geisteshaltung wurde nach einer halben Stunde Wartezeit relativiert, als der Servierprozess anstand. Drei Mitglieder unserer Schulungsgruppe waren beim Einbongen schlichtweg vergessen worden. Hier offenbarte sich ein erheblicher Mangel an volkswirtschaftlichem Engagement der Service-Fachkräfte - waren doch bis zur Nachlieferung der fehlenden Mahlzeiten die anderen Teller fast schon abgeräumt. Über die Qualität der Schnitzel müsste unserer Meinung nach dringend in einer selbstkritischen Sitzung der Belegschaft der HO-Gaststätte diskutiert und Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung eingeleitet werden. Ausschreitungen unserer leicht verärgerten Schulungsgruppe konnten nur aufgrund des allgemeinen Müdigkeitsniveaus verhindert werden, das am relativ frühen Abend für Rückzug in die 12-Mann-Zimmer des Schulungsheims und später für einen gesunden Schlaf sorgte.

Am letzten Morgen unserer Reise wurde wieder durch Adrian B. ein phantastisches Frühstück präsentiert, dass einer Interhotelqualität in nichts nachstand. Angesichts der unterschiedlichen Interessenslagen für das Restprogramm der Schulung gestaltete sich die kollektive Abfahrt etwas schwierig; letztlich trafen wir uns alle (nach einem kühl-windigen Zwischenstop am Steg der Genossenschaft des Fischerhandwerkes Rerik) auf dem Parkplatz des VEB Bustourismus in Wismar wieder. Während der blasengeplagte Javier S., der immer noch unter den kapitalistischen Viren leidenden Andreas B. und der "Ich hab aber keine Lust mehr zu Laufen" verkündende Thomas J. ihr Heil in einer volkseigenen Thermen- und Saunalandschaft suchten, verbrachte der Rest der Schulungsgruppe in kleineren Teilgruppen einen Nachmittag in der Hansestadt. Wir trafen örtliche Skinheads an (neuer Trend: Weiße Adidas-Turnschuhe zu schwarzen Bomberjacken) und besichtigten den teilweisen Wiederaufbau alter Hansehäuser zu Immobilienbüros, Karstadt-Einkaufszentren und H&M-Läden. Unserer Meinung nach müsste der hohe Anteil von halb- oder ganz zerfallenen Häusern unbedingt im Rahmen der Planung des 11. Parteitages vom Bauausschuss des Politbüros diskutiert und entsprechende Maßnahmen zum Wohle des Volkes und der Bausubstanz eingeleitet werden. Versöhnt mit der Situation wurden wir im Café "Löwenapotheke", wo sich das Küchenkollektiv alle Mühe gab, unsere abgewanderten Pfunde mit wohlschmeckenden Kuchen mindestens wieder zu verdoppeln. Nach der abschließenden Besichtigung der beeindruckenden Nikolai-Kirche waren wir nun wieder bereit, uns am Montagmorgen den Herausforderungen unserer sozialistischen Volkswirtschaft zu stellen und die Parole "Meine Hand für mein Produkt" mit Leben zu füllen. Allen Schulungsteilnehmern sei gedankt für den Enthusiasmus, durch den wir den Schulungsplan deutlich übererfüllt haben und der sich hoffentlich bis zur Planung der Reise zum 12. Geburtstag der Sportgruppe erhält.

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