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Die jährliche Queerschlag-Wanderfahrt nach Prieros erfreut sich wachsender Teilnehmerzahlen. So waren vom 13. bis 15. Mai 2010 vier Boote und acht Fahrräder im Einsatz. Mit dabei waren teils erstmals, teils als „Wiederholungstäter“ Gäste aus Frankfurt, Köln und Essen. 

Tag 1

In Friedrichshagen trafen sich um 8.30 Uhr fünfzehn noch verschlafene Gesichter. Der morgendliche Wetterbericht sagte einen trüben Tag voraus: Kein bisschen Sonnenschein und zu kühl für diese Jahreszeit. Thomas R. hatte beim Friedrichshagener Ruderverein zwei reisetaugliche Klinkerboote reserviert, den Achter „Neptun“, Herrscher über alles fließende Wasser, und einen Vierer.  Damit ging es zum ersten Zwischenziel, dem Eisenbahner-Sportverein Schmöckwitz.  In Grünau trafen sich derweil zehn RuderInnen und ein Trupp FahrradfahrerInnen. Nach mehrmaligem Durchzählen teilte Andreas B. die Boote ein und los ging`s. Endlich im Boot, versuchte ich mit den unterschiedlichsten Themen ein Gespräch in Gang zu bringen. Lieber Jens, vielleicht solltest Du mal ein Kommunikationsseminar bei mir besuchen. ;-) 

In Schmöckwitz begrüßte sich die Menge, Namen und Umarmungen wurden ausgetauscht. Nach einer kleinen Reparatur, Ruder-Titan Stefan H. hatte Neptun sozusagen einen Zacken aus der Gabel gebrochen, sollte es über den erstaunlich ruhig daliegenden Zeuthener See zum nächsten Halt, dem Ruderverein Königs Wusterhausen, gehen.  Die vielfachen Versuche im Vorfeld, die dortige Ökonomie auf die hungrige Meute vorzubereiten, hatte irgendwann Erfolg: „Ick verbinde Dich mal mit meine Frau, ick hab‘ da nich so den Übablick.“, wurden wir auch dieses Mal - „Det bisschen Speck is doch keen Fleesch!“ - mit Erbsen- und Linsensuppe versorgt. Die Servier-Aushilfe Eva W. trieb die „So schnell kann ich jar nich kellen, wie du rennst!“-Köchin zu Höchstleistungen an. Am Ende war es ein Teller zuviel, aber es gab ja die Nahrungsverwerter Felix B. und Markus L. Vegetarier Thomas R. verzehrte lieber selbstgebackene „herzhafte Muffins“, die ein wenig später nochmals besprochen werden. 

Auf dem Weg zum Cafe Cosmea, eigentlich Eiscafé Gussow, dem nächsten Halt, konnten sich die Radfahrerinnen nur knapp vor angetrunkenen Sexisten retten. Diese sagten unerhörte Dinge, die zu erwähnen einer Dame nicht geziemt. Insbesondere Annette und meine Wenigkeit fuhren leicht grimmig weiter. Dafür gab es neben der Original Gussower Coppenrath-und-Wiese-Torte und dem Pott Mühe-allein-genügt-nicht-Kaffee mitgebrachten und heil angekommenen Kirschkuchen, gebacken nach einem bewährten Rezept der Annette G. Zuwenig wie sich herausstellte, denn er war beinahe aufgegessen, als das letzte Boot gerade anlegte. Adrian B. konnte gerade noch ein Stück Kuchen ergattern und teilte brüderlich mit Andreas B., allerdings eher im sowjetischen Sinne, also nicht unbedingt fifty-fifty (Anm. Andreas). Sachsen-Uwe und Matthias K. feierten den Herrentag, wie Himmelfahrt in dieser Region heißt, angemessen mit flüssiger Nahrung. Prost! 

 Ein paar Schläge später bei der Einfahrt  in die Schleuse Prieros beruhigte sich die angesichts des „Ruder lang“-Kommandos leicht nervöse Steuerfrau Gertrud W. mit dem inzwischen legendären Satz: „Manchmal muss man einfach aushalten können.“ Liebe Gertrud, ist nicht ein Anhalten manchmal wichtiger? 

Am Steg in Prieros wurden die Boote an Land gebracht. Nach dem Einchecken im Hotel ging eine Vielzahl der Jungs und drei Frauen in die Sauna. Falk, wo hast du hingeschaut? Mutig stürzten sich Annette G. und ich, sowie Falk H., Andreas B. und Steffen in den für diese Jahreszeit eindeutig zu kalten See. Dann gab es Gegrilltes und allerlei anderes vom Büffet. Unser wertes Orgateam, Indien-Eva und Andreas, stellten das Programm für den 2. Tag vor. Waldmeister-Bowle sorgte für Kopfschmerzen.

Tag 2

Der Achter wurde nach demokratischer Abstimmung ins Fliess Richtung Märkisch Buchholz gesteuert. Diese Tour soll eine wahrhaft meditative Fahrt gewesen sein. Mehr wurde mir nicht erzählt. Hmm!?  Etwa zur gleichen Zeit begaben sich eine Handvoll Downtown-Girls (m/w) auf Sight-Seeing in Prieros und Umgebung: Auf dem Programm standen der Botanische Garten  - sensationell, die Hänge-Nevada-Zirbel-Kiefer. Und auch die Kirche wurde extra für uns mit einem Schlüssel, der seinen Namen noch verdient, aufgesperrt. Eindeutiges Highlight war das Shopping-Erlebnis im örtlichen Edeka: Rotkäppchen Piccolo für Einsneunundzwanzig! Angetan vom Hessischen Akzent der Leiterin des örtlichen Heimatmuseums, ging kurzzeitig Martin aus Frankfurt verloren. Andreas B. fand derweil Gefallen an linnener Unterwäsche, die dekorativ auf der Leine hing: „Schade, dass Sie die nicht in meiner Größe haben!“ Am Sportplatz, dem gelungenen Prieroser Gegenstück protziger Berliner O-zwo-Architektur, führte Ballettgröße und Choreograph Javier S. die Eleven Martin H. und Andreas B. in die Kunst des Stangentanzes ein. (Anm. Andreas: „Mo-ment! Die Stange war eindeutig horizontal!“) Und Respekt, die Schüler lernten schnell und wurden allseits bewundert. Mitten in Prieros! Ich frage mich, ob wir nach diesem Auftritt wirklich wiederkommen können.

Unser anschließender Spaziergang führte uns durch eine halb verfallene, halb neudeutsch-schlüsselfertig überprägten Datschensiedlung im Wald zum überall ausgeschilderten, jedoch fest verschlossenen Gestüt. Javier S. sah sich angesichts einer leer stehenden Immobilie zweifelhaften Potentials schon wie Peter Fox in seinem Song „Das Haus am See“, während die restliche Gruppe den von zahlreichen bellenden Hunden bewachten Ort doch lieber wieder Richtung Hotel verlassen wollte. Dem aufmerksamen Beobachter entging auf dem Rückweg nicht der Reiz diverser Grundstückseinfriedungen. Besonders das in vielen Gartentoren verwendete Motiv „Aufgehende Sonne aus Baustahldraht“ zeigte dem Kunstinteressierten den hohen Entwicklungsstand der, inzwischen etwas verblichenen, sozialistischen Alltagskultur.

Im Hotel angekommen war die Sauna bereits angeheizt. Kurz vor dem Abendessen fand dann aber noch ein Anfängertraining statt. Felix B. zog sich seine Jeans aus und ruderte im knappen Höschen das Boot an den Steg, um den Neulingen einen adäquaten Einstieg zu ermöglichen. Dort stiegen dann Martin H. als Schlagmann, Annette, Tobias und Marcus ein, um von mir, Alexandra, An- bzw. Einweisungen zu erhalten. Das sah echt gut aus, ihr Drei seid wahre Naturtalente!  Nach dem Abendessen und einigen Drinks diskutierten spontan einige aus allen Ecken der Republik stammende Genossen: „Ach, es gibt ein SPD-iPhone-App?“ Auch an anderen Tischen spielten sich diverse Herren verschiedenen Alters mit Ihren Touch-me-Applikationen, während sich die anderen handschriftlich im Gästebuch des Waldhotels eintrugen, angesichts des Wortes „schwul-lesbisch“ quittiert mit einem leicht irritierten Lächeln des Personals. Der süße Kellner im zweiten Lehrjahr hat aber deutlich an Souveränität im Umgang mit uns gewonnen, meinte irgend jemand.

Tag 3

Beim Frühstück wurden, die so liebevoll vom Hotel vorbereiten lactosefreien Produkte von einer gewissen A. aus E. verschmäht. Freiwillige für den Verzehr konnten auch hier wieder gefunden werden. Nach der gemeinsamen Morgenzigarette der RaucherInnen nahmen auch die Anderen Aufstellung für ein gemeinsames Foto auf der Terrasse. Jens St. rief schon „A-mei-sen-schei-ße!“, aber eine Kamera musste erst noch gesucht werden. Dann ging es bei kaltem Wetter und ein wenig Regen zurück gen Berlin. Radfahrer Philipp bemerkte treffend: „Die brauchen zum Ablegen ja länger als ne Transe im Bad!“. Mein lieber Philipp, welch ein Vergleich!  Adrian B. hingegen gewann einen Preis für die erotischste Kopfbedeckung, eine aparte Duschhaube, Marke „Waldhaus Prieros“. Nach all‘ den Jahren weiß unser Hotel eben, was die homosexuelle Kundschaft wünscht. 

Kurz nach der ersten Rast im Cafe Cosmea kamen Regen und Wind auf und damit die Kälte.  Und hohe Wellen auf dem Krüpelsee. Geschichtenschreiberin Alexandra, die in diesem Moment als Steuerfrau agierte, konnte vor Kälte nun auch nicht mehr reden. Und das will was heißen (Anm. Andreas)! Nach beschwerlicher Fahrt trockneten wir uns dann im Ruderclub König Wusterhausen am Ofen. Dort aßen wir allerlei Feines und Kleines, was sich bis dahin in diversen Taschen versteckt hielt. Thomas R. versteigerte meistbietend seine selbst gemachten Käsemuffins wie auch das Team Essen –Berlin Pikantes darbot. Weiter über den Zeuthener See, der recht gütig zu uns war (kaum Wellen, keine Opti-Regatta!), ging es dann im strömenden Regen weiter nach Grünau.

Total durchnässt, dennoch mit guter Laune verabschiedete sich die Bootsbesatzung der FRV-Boote unter dem schützenden Dach von Halle „Arabisch-Eins“ von den anderen.  Ihr Lieben von überall her, wieder war es schön mit Euch nach Prieros zu rudern, trotz Kälte und Nässe.

Ich freue mich auf das nächste Jahr in Prieros! MERCI, Eva und Andreas, für die Wanderfahrtorganisation, die, wie ich weiß, viel Arbeit macht! Und auch an dieser Stelle ein Dankeschön an: Jens für die Organisation von so vielem: Unserer Webseite, Stammtisch und, und, und. Adrian, unserem fleißigen SCBG-Bootswart und Christoph, ebenfalls im SCBG-Vorstand, Guido für die Organisation des Anfängertrainings, Martin H. für die Webseite, Thomas R. für die Vernetzung mit Team Berlin und ein Dankeschön zu guter Letzt an alle für‘s Dabeisein.

Wie immer ein subjektiv-objektiver Rückblick von eurer Geschichtenschreiberin Alexandra  

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