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Auf der Glienicker Brücke bekamen die RRs keine auszutauschenden Spione und Kundschafter zu sehen, sondern ihren treuen kleinen autofahrenden Fanclub, der ihnen für die verbleibenden  zwei Drittel der Strecke noch einmal zujubelte. Der Weg nach Werder war bis zum Schwielowsee recht angenehm. Alex hingegen hatte als Steuerfrau die Horrorbegegnung mit einer gemeinen Schnappboje (boujee vulgaris). Panisch nach der von Jens lautstark angemahnten Leiche im Schlepptau suchend ("wir sind plötzlich so langsam, das Ding hier hat sich was eingefangen am Steuer") , hatte sie kurzzeitig die Wasseroberfläche nicht mehr im Blick, bis 5 cm vor dem Boot plötzlich die Schnappboje aus dem Wasser sprang und sich zielsicher vor den Bug des Bootes warf. RRs und Boot blieben physisch unverletzt, an der Beseitigung des psychischen Traumas wird aber noch gearbeitet. So schien es auch kaum aufzufallen, dass die Frage nach der Entfernung zum Pausenpunkt von Guido und Friesenfreunden permanent mit einer Kilometerlüge beantwortet wurde; die versprochenen 2 km bis zur Rudergemeinschaft Potsdam entpuppten sich schließlich als 4 - 5 km.

Völlig entkräftet und mental aufgewühlt kamen die RRs also im Ruderclub Potsdam an, wo sich der Großteil der Mannschaft offen zur Fleischeslust bekannte und riesige Mengen an Rindsrouladen verspeiste. Thomas R., sich wie immer mit kohlenhydratarmen vegetarischen Aufbaupräparaten ernährend, fragt sich bis heute, wie man mit so einer Essenszuladung noch gut rudern kann.

Auf der letzten Etappe schlugen sich die RRs auch auf dem welligen Schwielowsee wacker, besonders auch Ute, Simone, Victor und Gunther von der Trainingsgruppe Schneider, die als Premiere ihre Muskeln auf der queerschlag-Wanderfahrt spielen ließen. Hier sei auch Reinhard genannt, der immer noch auf Schlag saß und seine Mannschaft sicher nach Werder bringen wollte. Im beginnenden Regen landeten die RRs schließlich in Werder, wo sie von den ausgeruhten Autoreisenden (die über die Etappen Imbiss, Mittagsschläfchen und  Stadtspaziergang ebenfalls gut angelandet waren) in Empfang genommen wurden. Die bildungsbeflissene Mehrheit der RRs begab sich nach einer warmen Dusche zur Stadtführung mit Frau Arnim von der Stadtgilde Werder, um kein Detail der königlichpreußischen Geschichte des Inselchens zu verpassen. Die anwesenden Frauen hatten ein breites Grinsen auf dem Gesicht, als sie erfuhren, dass die Werderschen Frauen im 19. Jahrhundert die zentnerschweren Lastkähne halbtagelang zum Werderschen Markt nach Berlin ruderten, während die Männer es gerade mal fertigbrachten, die Apfelkiepen zum Beladeplatz zu tragen und sich anschließend als so genannte „Rudergänger“ faul und bequem nach Berlin kutschieren zu lassen.

Geschichtsgesättigt aber hungrig fiel die Meute danach geschlossen ins Fischrestaurant „Arielle“ ein, wo sie sinnvollerweise von den kultivierten Touristen separiert leckeres Essen genießen durfte. Als nicht leergegessene Teller zum Verbrauch durch Dritte ausgerufen wurden, kam es zu einer ernsthaften Krise am Mitteltisch. Bevor sich die hungrigen Herren in einen Boxkampf stürzten, wurde als Entscheidungsmerkmal der BMI der Herren herangezogen – in dieser Entscheidung mussten sich Martin H. und Felix sofort geschlagen geben, selbst Guido zog gegen Peter den Kürzeren. Mit Blick auf Peters quasi nicht vorhandenes Hinterteil wurden ihm die Zusatzportionen von Herzen gegönnt.

 Einige jüngere und ältere Herrschaften machten sich alsbald in Richtung des Charmes des 70er Jahre Interieurs des Hotels auf; hingegen kam es in der verbleibenden Resttruppe noch zu hitzigen Genderdiskussionen. Mein lieber Victor, das üben wir noch mal mit den Stereotypen.

 Nach einer ruhigen Nacht (die Bürgersteige waren bereits zeitig hochgeklappt) starrten 56 müde Augen in den grauen Sonntagshimmel und den Dauerregen, der nun schon seit 14 Stunden anhielt. Autofahrerin Thea bekam etliche unmoralische Angebote („ich fahr gern Dein Auto nach Berlin, Du darfst auch auf meinen Ruderplatz“), blieb aber hartherzig (wenn auch sehr mitfühlend). Die flächendeckend zwischen Strümpfe und Schuhe angezogenen Mülltüten machten einen sehr aparten Eindruck und sollten dringend auf den nächsten Pariser Modenschauen präsentiert werden. Bereits nach dem kurzen Fußweg zum Werderschen Ruderclub waren die meisten RRs bis auf die Funktionswäsche durchnässt, so dass die ca. 300 Liter Wasser, die aus jedem gelagerten Boot gekippt wurden, nicht mehr ins Gewicht fielen. Auf jeden Fall gab es selten so ein zügiges Ablegemanöver wie an diesem Sonntag, bei 10 Grad und strömendem Regen. Nahezu alle waren entsprechend regensicher ausgerüstet, aber eben nur nahezu alle (Florian - shoppen macht Spaß).

Die Rückfahrt war geprägt von bewusst gestreuten Fehlinformationen des Reiseleiters Guido, der wie Jens D. eine Kilometerlüge nach der anderen auftischte. Trotz Dauerregen pusteten sich Olli aus FFM, Uwe R. und Thomas W. in jeder sich bietenden Ruder Halt Pause kräftig Nikotin in die Lungen. Falk aus Köln entpuppte sich als Vielsteuerer (als Ausgleich zum Rauchen), Alex, Thomas R. und Martin H. hingegen mussten sich arg placken, um die 105 kg eines unbenannt bleibenden Steuermannes gut durchs Wasser zu bringen. Simone schaffte es hingegen für kurze 5 min mit ihrer Bootsbesatzung in dieser wunderschönen Landschaft an Land zu gehen und sich die Füße zu vertreten.

Nach 3 (Drei! Tri! Three! Trois! Tres!) Stunden und 28 km ohne Pause an Land ließen die Hardcore-Durchzieher Gnade walten und erlaubten ein warmes Essen im Warmen Ruderverein Astoria. Martin H., der sich in einer schwachen Minute als Noch-Nie-Flieger outete, wurde größten seelischen Qualen ausgesetzt, als seine Mitruderer ihre blutigsten Flug-Horror-Geschichten zum Besten gaben. Alex musste eingreifen, um einen Selbstmord in den Tiefen der brandenburgischen Gewässer zu verhindern. Martin wird nach dieser Fahrt sicherlich eine mögliche Amerikareise per Schiff oder Ruderboot planen. Letzte Süßigkeiten wurden trotz BMI unter die Meute gebracht, dann ging es nach einer längeren Aufwärmphase und Imbiss zurück nach Spandau. Gut gestärkt, jedoch nicht trocken sollte es dann über den Wannsee nach Spandau gehen. Wellen von überall. Von oben waren alle nass, nun aber war viel Wasser in den Booten. Gegen 18 Uhr trafen die RRs durchgefroren, durchnässt und weitgehend schwer erschöpft in Spandau ein. Es ist zu hoffen, dass folgend weder Lungenentzündung, Burnout oder Kreislaufkollaps zu beklagen sind.

Aller Widrigkeiten zum Trotz war es auch dieses Mal eine erfolgreiche, lustige und schöne Wanderfahrt. Für die nächste Fahrt sollten aber vielleicht Routen in Curacao, Mauritius oder
Marokko gewählt werden.

Lieber Jörgen, Jens D., Paul vielen Dank für Eure tollen, so schönen Boote in dieser perfekten Halle. Liebe Thea und lieber Tom danke fürs Transportieren. Lieber Felix und Martin und Stefan danke für die Kinokarten!!!!! Und Guido und meiner Wenigkeit für alles andere. Und euch Ihr RuderInnen danke für`s dabei sein!

 Gezeichnet Thea und Alex, die Geschichtenschreiberinnen

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