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Mit dem Satz „Sollen wir wirklich rudern gehen, Alexandra?“, begann am Nachmittag des 8. April 2011 ein nicht nur den Protagonisten dieses operngleichen Stückes unvergessliches, rudersportliches Ereignis voller dramatischer Höhe- und Wendepunkte.

Mutige Schläge vollzogen die furchtlosen Ruderer Reinhard, Martin und Jens unter dem Dirigat der Ruderin Alexandra, die ihre Mannschaft in der „Müritz“ souverän durch die gefährlichsten Höhen und Tiefen des Abends steuerte. Den Counterpart gaben in der „Balaton“ die mannhaft kämpfenden Sportler Adrian, Andreas und Michael. Begleitet wurden die erfahrenen Wassersportler von zwei kraftstrotzenden, auf die Namen Ingo und Joachim getauften Tiefdruckgebieten - beide übrigens  isländischer Herkunft - in der Rolle der Naturgewalten. Weiterhin traten auf die gar nicht so lieblichen Kreiselwinde der Krampe, deren plötzliche Einsätze den Helden des Abends gelegentlich das Skull zu entreißen schien, sowie der vielstimmige Chor der Wellenvereinigung „Dahme“ und, besonders hervorzuheben, in der Rolle der heldenhaften wie geselligen Retter, die in der Ruderwelt bis dato leider völlig unbekannten Kameraden der „Freien Vereinigung der Tourensegler Grünau 1898 e.V“. 

Doch kommen wir zum Inhalt des naturgewaltigen Stückes. Gleich zu Beginn der Ouvertüre sehen wir am Steg des Sport Club Berlin-Grünau E.V., vor dem Hintergrund der tanzenden Wellen, unsere fröhlichen Helden zwei Boote zu Wasser tragen, die Klänge der bereits dicht sich drängenden Isobaren verlachend, gelassen nehmend auch die Warnung einer von der Bammelecke kommenden Jugendgruppe: „Da hinten wird es nicht besser!“ Mit lockeren Schlägen erreichen sie in kurzer Zeit besagten Ort. Während die Mannschaft der Balaton, die eigenen Kräfte noch schonend, mezzoforte nahe dem Ufer bleibt, nimmt die „Müritz“, im ersten Akt noch gesteuert von Martin Sch., fortissimo direkten Kurs auf die Insel „Kleiner Rohrwall“. 

In rhythmischem Gleichklang unterstützt von den grummelnden Bässen der Naturgewalten umrunden beide Boote schon bald die Krampenburg. Ein lyrischer Part, fein intoniert von der Wellenvereinigung „Dahme“ wechselt von nun an mit plötzlichen Sforzati der für Ihr Können berüchtigten Kreiselwinde der Krampe, während im zeltplatzartig gestalteten Hintergrund die eine oder andere Kiefer ihrer Krone verlustig geht. So erreichen unsere Ruderer Ende des zweiten Aktes, beeindruckt von der gebotenen Szenerie, „Krampe Ende“. 

Der dritte Akt nimmt zunächst das Thema des zweiten Aktes in Variationen noch einmal auf, unterdessen der stetig anschwellende Bass der Naturgewalten die baldige Wendung andeutet: Jäh stürmt der Chor der Wellen, unterstützt von den nun aus Nordwesten angreifenden Naturgewalten, an der Krampenburg auf unsere Helden ein. Weit und breit keine Menschenseele auf dem Wasser, kämpfen Sie verzweifelt gegen die Staccati der sich aufbäumenden Wassermassen an. Der Wind treibt die ungesteuerte „Balaton“ vor sich her, dem Seddinsee entgegen, während die „Müritz“ unter Steuerfrau Alexandra furchtlos die Wellenberge abreitet. 

„Ruder halt! Wende über Steuerbord!“ ruft Schlagmann Adrian, doch hat er selbst mit seinem Heldentenor keine Chance. Schon schlagen die ersten Wellen ins Boot, reißen sich Schaumkämme von Wellenbergen und wehen gen Seitenbühne - eine Meisterleistung moderner Bühnentechnik! Unbarmherzig trommeln die Wellen gegen die Bordwand der "Balaton", das rettende Schmöckwitzer Ufer noch so fern. Die Macht des Schicksals, da ist sie, sie werden getrennt, doch tapfer stellen sich unsere Helden ihr entgegen und werden belohnt: Jeden Moment vom Kentern bedroht, erreichen sie den sicheren Hafen, erwartet von den selbstlos agierenden Kameraden der „Freien Vereinigung der Tourensegler Grünau 1898 e.V“, die eine helfende Hand und heißen Tee reichen.

Die gesellige Runde in der örtlichen Ökonomie lässt sich am Besten mit „einem großen Hallo“ beschreiben, vor allem als sich herausstellt, dass durch verwandschaftlich-freundschaftliche Umstände eine größere Nähe zwischen den durchweichten „Trojanern“ und lokalen „Karthagern“ besteht als vermutet - eine glänzende Idee des Regisseurs, hier eine Parallele zu Bizets Grand Opéra „Les Troyens“ zu ziehen, die er nochmals musikalisch zitiert, wenn unsere Helden der "Balaton" zum Ende des vierten Aktes Ihr Boot hinter dem Volvo des Bootswarts, eine Art rollendes Musikzimmer, heimfahren.

In einer Rückblende, einem Epilog gleich, erfährt der Zuschauer schließlich, wie die Mannschaft der „Müritz“ das vollgeschlagene Boot zweimal leeren konnte, bevor auch sie an fremdem Strande namens „Rotation“ anlegte. 

Erschöpft von den an diesem Abend zu bewältigenden Herausforderungen verwarfen die Mitwirkenden die sonst bei solchen Aufführungen übliche Applausordnung und verließen die Szene sehr bald in Richtung Garderobe. Sie lassen ausrichten, eine Wiederaufführung des Stückes ist auf längere Sicht nicht geplant.

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