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Oberhof on Ice – Queerschlaggeburtstag 2012

Ice ahead

Aus Berlin und Köln kommend, durchfuhren die Queerschläger und ihre Gäste am Freitag den Rennsteigtunnel, um beim Wiederauftauchen aus 8 Kilometer Dunkelheit festzustellen: Schnee und Eis leben, zumindest im Kurörtchen Oberhof im Thüringer Wald. Manch einer hatte frohgemut das Rennsteiglied von Herbert Roth auf den Lippen, als wir an überfrorenen Schneehaufen in Eisskulpturengröße vorbei am Aparthotel Oberhof vorfuhren, um uns dort in sportlergerechten Zimmern einzuquartieren. Der freundliche Empfang im Hotel ließ uns auch erstmal vergessen, dass laut MDR-Fernsehbeitrag Oberhof eine steuerfinanzierte Servicewüste tief im Osten sein soll.

Ice and Rain

Noch am Freitag erkundeten die ersten QueerschlägerInnen Loipen, Strassen und Wege, um festzustellen: Schnee plus Plusgrade plus Nieselregen ergibt pures, zentimeterdickes Eis. Am Abend bewegten wir uns deshalb mit merkwürdig anmutenden Arm- und Beinbewegungen durchs fast ausgestorbene Städtchen, um zum urigen Gasthaus „Luisensitz“ zu schliddern. Dort retteten wir mit dem berühmt-berüchtigten Queerschlag-Appetit den Wirtsleuten den Abendumsatz und erfuhren wichtige Dinge wie: „Rosi Mittermaier und Christian Neureuther kommen am Sonntag nach Oberhof“ oder „es gibt zu wenige Gäste die bereit sind, mehr als 10 EUR für ein Abendessen zu zahlen“. Nun ja. Müde von der Anfahrt, zog es die meisten zeitig auf die durchgelegenen Matrazen des Aparthotels; nur wenige Feierwütige wie Hans-Jürgen, Andreas &Co. beehrten noch die Kaschemme „Doppelsitzer“ in der menschenleer-ausgestorbenen Fußgängerzone. Laut vertrauenswürdigen Berichten war die Stimmung in der Kneipe allerdings ebenso lebensfroh wie die auf den Straßen, so dass 20 QueerschlägerInnen alsbald dem Frühstück entgegenschlummerten

Ice and Sun

Am Samstag drängelten wir uns gemeinsam mit ca. 30 Kindern und 60 sächsisch-thüringischen Erwachsenen ums übliche Sportlerbuffet (hartgekochte Eier, bröckeliges Rührei, rote und gelbe Marmelade, Salami aus der Packung – aber leckere Ostschrippen!). Punkt 10 Uhr scharten wir uns um unsere Organisatoren und „Muttis vont Janze“ Andreas und Michael. Jeder hatte die am Vorabend überreichten 3 Seiten Org-Kram plus 3 Seiten Kartenmaterial aufmerksam studiert, so dass sich Teilgruppe 1 schnell via Skiverleih in die Loipe und Teilgruppe 2 ebenso schnell per pedes auf die Wanderwege verteilte.

Beide Gruppen hatten aber in den ersten Stunden mit vereisten Loipen und Wegen zu kämpfen. Bei der Skigruppe soll es zeitweise zu negativen Geschwindigkeiten (Loipe rückwärts rutschen) und Massenstürzen gekommen sein. Die gezeigten Sandwich-Stürze müssen filmreif gewesen sein, leider war kein Kameramann anwesend. Die Wandergruppe stapfte mutig und munter durch den Wald, wobei Opa Thomas und Oma Thea alberne Skistöcke zur Stabilisierung bei sich trugen. Beim zufälligen Zusammentreffen der Gruppen am Veilchenbrunnen stellten wir fest, dass es bis auf Florians Knöchel keine ernsthaften Verletzungen zu beklagen gab und daß das Wetter entgegen aller Vorhersagen traumhaft (knapp über Null, blauer Himmel mit Schäfchenwolken) war.

Nach einer etwas enttäuschenden Rodeltour auf dem 2km langen Naturrodelweg (die Spitzkehren waren eher Steckenbleiberkehren im Schneemulch) beendete die Wandergruppe ihren Ausflug, während sich die Skiläufer tapfer nach Oberhof zurück kämpften (gerüchteweise gab es verirrte Skiläufer bis nach Zella-Mehlis) Am sonnigen Nachmittag stürmten wir erstmalig das ausgezeichnete Tortenbuffet im Café „Sanssouci“, fühlten uns aber im bahnhofshallenmässigen Ambiente durchaus etwas verloren.

Night on Ice

Nach einer ausgedehnten individuellen Ruhepause schlitterten wir auf geschrumpften aber nach wie vor vorhandenen Eisplatten ins Restaurant „Cortina d‘Ampezzo“, wo wir erst (Stichwort: Servicewüste) mehrmals um den Block gehen mussten, bis wir 15min nach der vereinbarten Zeit endlich an unseren Tischen Platz nehmen konnten. Ehrlicherweise muss aber festgestellt werden, dass die organisatorischen Schwächen im starken Publikumsandrang begründet waren, was angesicht des guten Essens und des liebenswerten Ambientes auch nicht wirklich erstaunte. Ob die Fotos der jährlich stattgefundenen Geburtstagsfeiern eines Ex-Bundespräsidenten (des Beleidigten, nicht des Korrupten) das Publikum nun eher abschrecken oder anziehen, konnten wir nicht final klären.

Richtig spannend wurde es noch einmal, als die örtliche Königin (türkisfarbenes Sakko, Stiefeletten, roter Schal, Aphaville-Haarschnitt, vermutlich Inhaber des lokalen Friseur-Salons) den Raum betrat. Sie und QueenMum Ingo lieferten sich ein Fernduell, das eindeutig unsere Berliner Queen gewann. Für Außenstehende hatten die Blicke, die die beiden NICHT tauschten (wer kann wen am besten ignorieren) einen hohen Unterhaltungswert. (Fußnote: Lesben sind nicht berechtigt, in die Geheimnisse des Königinnen-Daseins eingeweiht zu werden. Das stellte QueenMum hart und eindeutig und einfürallemal fest). Auch an diesem Abend schwächelten die meisten sehr zeitig, klagten über schmerzende Adduktoren und überforderte Magensäfte. Nur Michael und die Kölner Frohnatur Hans-Jürgen wagten sich in die Musikkneipe „Sowieso“, wo sie in Kontakt mit der einheimischen Jugend traten (sie versicherten: absolut jugendfrei). Die anwesende Dorfjugend bestätigte alle Klischees über Jugend auf Dörfern (man kann das nur mit Alkohol überleben) und legte unseren beiden tapferen Ethnologen noch eine örtliche Lokalität ans Herz, in der man „freundlichen junge Damen aus der Umgebung in gemütlichem Ambiente zärtlich näher kommen kann“ (die Übersetzung der original-sprachlichen Empfehlung erfolgte durch die Chronistin). Unsere beiden Queerschläger verzichteten auf weitere Erkundigungstouren und beendeten den Abend in der Hotelbar.

Danger on Ice

Der Sonntag begann wieder perfekt organisiert, wobei bis auf Andreas2 alle QueerschlägerInnen gemütlich auf Schnee&Eis wandern und nicht Skifahren wollten. Während der Begehung des „Historischen Sportstättenwanderweges“ begegneten wir einem türkisch-deutschen Kamerateam, die sich so sehr über die Anwesenheit von Wandersleuten im Schneesturm freuten, dass sie uns zu einem fröhlichen Gruppen-Video-Schnipsel mit Winken und Rufen animierten (Sendetermin: 21. März auf TRT). Nach Besichtigung mehrerer nicht mehr vertrauenserweckend aussehender Holz-Sprungschanzen erkundeten wir die alte Natur-Bobbahn (ein steiler Weg mitten durch den Wald mit Spitzkehren, in der aktiven Zeit von Dutzenden Verletzten und 5 Toten gesäumt). Staunend betrachteten wir eine ein ca. 5m Höhe massiv entrindete und zerspante Fichte – und waren uns einig: So sorgfältig spanen kann nur der Thüringische Waldbiber, eine selten gesichtete und vom Aussterben bedrohte lokale Spezies. Bei aufklarendem Himmel zog es uns weiter zur modernen Bob- und Rodelbahn, deren liebreizende Stadiondurchsagen uns bereits seit Stunden begleiteten. Dort angekommen, bestaunten wir erst einmal die UNGLAUBLICHEN Eiskurven (eine Neigung von fast 90 Grad), auf der wechselnd lebensmüde Leute auf Rennschlitten oder in einem Schlauchboot vorbeisausten. Am Start des Ice-Raftings angekommen, beschlossen 6 lebensmüde Queerschläger, die 1300 Meter mit 14 Kurven selber im Schlauchboot zu durchfahren. Nach einer Stunde kalter Wartezeit war es dann soweit (auch Theas Schreckensschreie kurz vor dem Start konnten das Verhängnis nicht mehr aufhalten), und es ging mit 70 km/h durch den Eiskanal. Während die Jungs am Ziel am liebsten gleich nochmal gefahren wären, musste Thea aus dem Boot gehoben werden, da sie während der Fahrt mehrmals gestorben war (Anmerkung der Chronistin: Es ist die Hölle, wenn man innerhalb von 15 Sekunden durch drei von diesen Steilkurven geschleudert wird. Es fühlt sich an, als kippe einem die Welt auf den Kopf). Entweder durchgefroren (die treuen Fans) oder vollgepumpt mit Adrenalin (die FahrerInnen) ging es nun zur letzten Etappe unserer Reise.

Goodbye to the Ice

Nach einer neuerlichen gemeinsamen Tortenschlacht in der Cafe-Bahnhofshalle verabschiedeten wir uns bei strahlendem Sonnenschein voneinander. Das kleine Örtchen Oberhof war uns irgendwie nun doch ziemlich ans Herz gewachsen, und die verbrachten 48 Stunden werden wir in bester Erinnerung behalten. Die Stimmung in der Gruppe war einfach großartig, und nicht nur die Eisplatten waren in der Sonne Thüringens weitgehend geschmolzen, sondern auch mögliche Ansätze schlechter Laune. Unser heißer, uneisiger Dank gilt den beiden großartigen Organisatoren Andreas B. und Michael J., die mit perfekter Planung, Vor-Ort-Begehungen, Programmaufstellungen, Gruppenbegleitungen und und und…..uns einfach rundum verwöhnt und umsorgt haben.

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