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Viele Wochen und Monate haben wir uns für die Outgames 2013 vorbereitet. Am 1. August war es dann soweit: Wir fuhren nach - nein, nicht nach Antwerpen. Wir fuhren nach Gent, wo die Ruderwettkämpfe der Outgames stattfinden sollten. Zu verschiedenen Morgenstunden trafen wir uns am 1. August 2013 am Bahnsteig 12 des Berliner Hauptbahnhofs, hochwasserbedingt immer eine Stunde früher. Manche nahmen lieber das Flugzeug nach Brüssel, aber Bahnreisen sind heutzutage bekanntlich viel aufregender und unterwegs bleibt viel mehr Zeit für Kaffee und Rotkäppchen. Leider nicht immer für das Umsteigen. Vor Wuppertal und nachrichtlich auch in Belgien neigten sich je ein Baum übers Gleis oder auch ein Lebensmüder, Zugteile wollten sich partout nicht trennen, dafür sind Köln und Deutz für manches Zugpersonal ein- und dasselbe. Wir hatten also genügend Gründe für ungeplante Umleitungen, unzählige Umstiege und andere unangenehme Umstände, die beispielsweise einer Einkaufstüte (O-Ton Alex: „Da ist ein nackter Mann drauf!“) voller frisch bedruckter Queerschlag-Shirts einen Umweg über München zurück zum SCBG bescherten.

Leicht beschwipst, verspätet und durch die Aufregung gut erwärmt erreichten wir den hübschen Bahnhof Gent St. Pieters, ein sehenswertes Zeugnis früher maurisch-flämischer Architektur übrigens. Residenz nahmen wir in verschiedenen Hotels, gegenüber St. Baafs oder am Kanal, bei freundlichen Gastgebern, auf dem Campingplatz oder auf dem Hausboot. Gent ist nicht so groß, also trafen sich viele zufällig zum Abendessen am Gravensteen, dem Vorbild aller Playmobilburgen, im Zentrum der Stadt.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf, nicht nur weil es der heißeste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen in Belgien werden sollte. Wir waren gespannt auf die Regattastrecke und das Bootsmaterial, vermutlich die teuersten jemals in Belgien verliehenen Boote. Die Regattastrecke, entstanden in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, ist das Heimatgewässer für vier anliegende Rudervereine, einen Kanuverein, badende Hunde, angelnde Angler, schwimmende Schwäne, gründelnde Enten und prächtig gedeihende Wasserpflanzen. Ganze Teppiche schwammen in den Bahnen, verfingen sich regelmäßig im Steuer der Boote und machten das Training zu einer mühsamen Angelegenheit. Im Laufe des Tages tauchten auch einige der anderen Mannschaften auf, von denen einige Gesichter schon aus Kopenhagen und Montreal bekannt waren, aber auch viele neue Gesichter waren dabei. Eines davon strahlte unsere drei Frauen, Tatjana, Alex und Carola an: Elke, extra vom Niederrhein angereist. Endlich war unser Frauen-Doppelvierer komplett!

Besondere Bekanntschaft machte Stefan D.: Just beim Unterqueren einer Brücke, die über den Stichkanal zum Ruderverein führt, sprang von der Brücke ein gut genährter Badender statt ins Wasser auf den vorderen Luftkasten seines Einers - mit durchschlagendem Erfolg. Totalschaden. Stefans Kommentar: „Hier fallen Orcas aus der Luft.“

Der erste Renntag, ein Samstag, begann um acht Uhr dreißig mit dem ersten Lauf der Männer-Doppelzweier. Hier ruderten Stefan H. und Thomas D. als Erste ins Ziel. Auch im zweiten Lauf lagen die beiden wieder knapp vor den Australiern und sicherten sich damit Goldmedaillen. Nur eine Stunde später lieferten sich unsere Frauen im Doppelvierer ein spannendes Rennen mit den im Durchschnitt deutlich jüngeren Australierinnen. Die Strategie von Schlagfrau Tatjana, mit nicht ganz so hohem Schlagtempo, dafür technisch sauber ins Ziel zu rudern, zahlte sich aus. Die Australierinnen, die kurz nach dem Start nur eine Luftkastenlänge vorn lagen, konnten Ihnen nicht entkommen. Dafür gab es Gold für unsere Heldinnen! Gold holten sich auch Tatjana E. und Carola L. sowie Stefan D. und Martin Sch. jeweils im Einer. Goldmedaillen aus der Grabbelkiste nehmen - auf die üblichen Ehrungen wurde von den Organisatoren aus Zeitgründen verzichtet -  durften sich im Tagesverlauf noch unser Doppelvierer Stefan D., Jens St., Jörg S. und Martin Sch. und das zweite Doppelviererteam Marcus L., Stefan H, Thomas R. und Andreas B. Die Medaillenhoffnungen unseres jüngsten Männer-Doppelvierers Tilman R., Jean-Ph. Schwab, Felix B. und Henning Sch. zerstoben wie Wasserspritzer in der Luft als auf halber Strecke ein Skull brach.

Eine Medaille verdient hätte sich übrigens auch Mannschaftshelferin, Motivatorin und Masseurin Sabine J., die sich liebevollst um Wehwehchen, Muskelverhärtungen und angespannte Nerven kümmerte und Rennvorbereitungstipps der Art „Am Tag vorher kein Müsli und keinesfalls Sex!“ gab. Zusätzliche Unterstützung bekamen die Rudernden vom Queerschlag-Fanclub Manja, Gudrun, Hans, Florian und Franz und allen, die gerade nicht ruderten. Sie erreichten mit Puscheln, Regenbogen- und Queerschlagfahne, Trillerpfeifen und lautem Gebrüll, dass alle unsere Mannschaften kurz vor dem Ziel noch einmal alles gaben.

Der Höhepunkt des ersten Renntages wurde erreicht, als am Nachmittag die Achter ins Rennen geschickt wurden. Mit Längen Abstand auf die Zweitplatzierten überquerte das von Franz Sch. gesteuerte Queerschlag-Boot die Ziellinie. Die Freude darüber wurde nicht getrübt, als bekannt gegeben wurde, dass die Goldmedaillen an das dänische Achter-Team gehen sollte, das im Rennen zuvor gewann. Silbermedaillen also für Schlagmann Marcus L., Henning Sch., Jens St., Stefan H und Stefan D., Jean-Ph. Schwab, Andreas B und Martin Sch.

Nach einer schnellen Dusche hieß es dann auch schon Aufbruch nach Antwerpen zur prächtigen Eröffnungszeremonie. Prächtig waren allerdings nur die Farben unserer team-berlin-Shirts. Immerhin trafen wir auf dem staubigen Parkplatzgelände zwischen drei Bierständen, einer „Frittuur“ und einer Reihe kostenpflichtiger Dixies einige bekannte Gesichter wieder. Die Zeremonie bestand im Wesentlichen aus einer Linker-Arm-rauf-rechter-Arm-rauf-beide-Arme-rauf-und-jetzt-johlen-Animation und einem anschließendem Zug aller Ländergruppen über die Bühne. Hinter der team-berlin-Fahne marschierten wir mit und stellten fest, die Wir-freuen-uns jetzt-trotzdem-Stimmung kam eigentlich nur von uns Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Nicht alle blieben bis zur anschließenden „Party“.

Der Sonntag mit den Open-Rennen war für die meisten von uns Ruhetag. Wir schauten zu und feuerten alle Teams an, die Boote mit „unseren“ Leuten natürlich besonders. Es traten Tatjana E. und Stefan D. an, letzterer in einem dänisch-deutsch-französischen Doppelvierer, der sich erstplatzieren konnte. Tatjana holte Silber im Skiff und nochmals Gold in einem Doppelzweier zusammen mit Elke, die am Vortag bereits im Doppelvierer der Frauen dabei war.

Das letzte Rennen des Tages war ein Achter-Fun-Race: 500-Meter-Sprint in ausgelosten Teams. Rudertechnisch sah man verschiedene Stile, irgendein Boot gewann und durfte sogar auf dem improvisierten roten Teppich Medaillen entgegen nehmen. Das war’s dann auch schon mit unserer Outgames-Regatta, ein paar Abschiedsworte an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder ein Vorschlag, auf welcher Vereinsterrasse man denn jetzt noch gemeinsam ein belgisches Bier trinken könne, blieben aus. Schade, so waren ein Haufen leerer Wasserflaschen neben zwei einsamen Outgames-Beachflags am verwaisten Ziel Turm der letzte Eindruck.

Da aber Gent eine wirklich hübsche alte Stadt ist und zahlreiche Gelegenheiten bietet, einen schönen Abend zu verbringen, war das nicht mehr so schlimm. Die Einen nahmen in einem Restaurant am Wasser mit sportlich-flotter Bedienung Platz- letztere konnte beim Gehen unsere Namen. Was unsere „jungen Jungs“ den Tag über so gemacht haben, blieb weitgehend unklar. Sie wurden morgens mit Ihrem Hosted-Housing-Gastgeber auf Besichtigungstour in Gent gesichtet und später, so ließen undichte Stellen durch, seien sie zum Barbecue bei gutsituierten, natürlich nur sportlich interessierten Leuten mitgenommen worden. Wenig gesicherte Informationen gab es übrigens, was die Jungs am Abend der Eröffnungsfeier noch trieben.

Am Montag, nicht erst ab Eins, machte jeder so seins. Einige waren schon in Antwerpen unterwegs, andere blieben in Gent, stiegen dort auf den Belfried und fanden über die Stadt verteilt (Geo-)Schätze. Das Recreational Rowing durch Gent sollte, wie inzwischen gewohnt, extra kosten, war aber mit streckenweisem Tunnelrudern recht spannend. Für den Abend hatten Martin und Vu zu einem Glas Sekt auf Ihre Dachterrasse hoch über Antwerpen eingeladen. Danach hieß es Abschied nehmen, voneinander und von den anderen Ruderteams, denn nicht alle blieben bis zum Ende der Outgames in Belgien. Da ein offizieller Event der Outgames-Organisatoren fehlte, trafen wir uns einfach in einer selbst organisierten Location am Hafen von Antwerpen. Ein Sonnenuntergang und viele gute Gespräche mit alten und neuen Bekannten waren ein schöner Ausklang.

Aufgezeichnet von Alex und Andreas

Hinweis: Wegen der Fülle an Bildern gibt es zu diesem Beitrag gleich drei Fotoalben:

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