Letztes Jahr im Frühling gab’s eine Überraschung: Das DRV Master Championship in Werder fiel flach – die Regattastrecke wurde saniert.
Schade? Naja, immerhin floss Geld in den Sport. Die Sanierung sollte so lange dauern wie der Berliner Hauptbahnhof lang ist – also sehr lange. Aber: Diesmal war alles pünktlich fertig! Und das war dann doch eine Überraschung, die sich lohnte: Karsten, Marian, Regina und Tatjana konnten Werder als lokale Regatta mit nationalem Flair als sportliches Highlight verbuchen.
Der Plan: Donnerstag Boote aufladen, Freitag nach Werder bringen, aufriggern – und am Samstag gemütlich um 12:25 Uhr das erste Rennen starten. Ausschlafen inklusive. Geil!
Für Karsten begann der Tag schon perfekt: Vor dem Wecker wach, Frühstück im Rekordtempo, U-Bahn pünktlich. Und dann die erste Überraschung am Bahnhof Zoologischer Garten: Gertrud winkt ihm auf dem Bahnsteig mit hrer Stimme freudestrahlend zu. "Ach Mensch, Karsten!" - "Gertrud!" - "Was machst Du denn hier?" - "Regatta in Werder." - "Ja sowas, ich wollte heute nach Caputh um eine Badstelle im Wald zu suchen. Aber also wenn ich dann eh in der Nähe bin, dann kann ich doch auch noch in Werder vorbeikommen." Das wäre sicherlich nett, aber auch nicht so wirklich nötig, also wenn Du wirklich willst, aber nur wenn Du dann auch Zeit hast. Irgendwie so muss das Gespräch noch weiter gelaufen sein.
Werder ist auch einen schönen Tagesausflug wert, hatte Martin Heymann gemeint und Karsten hatte noch den einen oder anderen Werbeblock hinterhergeschoben, in der Hoffnung, dass sich doch die eine oder andere Person in Werder als Regattabummler einfinden würde. Und dann war der Platz auch voller Überraschungsgäste: Simon kam freudestrahlend angeschlappt und Gertrud tauchte tatsächlich auf. Karstens Eltern, Marians Eltern, Reginas Frau, Freunde von der RG Turbine Grünau – und alle halfen mit. Boote rein, Boote raus, man feuert sich an. Am Ende musste man selbst nur noch ins Boot steigen. Luxus!
Natürlich strengen sich alle bei Regatten immer an, geben ihr bestes, mal fühlt es sich härter an, mal fühlt es sich nach Leichtigkeit an. Im Falle von Regina und Tatjana im MW 2x hat leider auch alle Anstrengung und das Beste nicht für eine Medaille gereicht. Dem Raunen auf dem Platz nach zu urteilen sind Boote mit Sabine Winkler drin wohl generell unschlagbar. Und genau die saß im einzigen gegnerischen Boot im Rennen Nr. 24 der Doppelzweier der Frauen in den Alterskategorien F und G.
Besser lief es für Marian und Karsten. Wetter, Wellen, Wohlbefinden: Der perfekte Dreiklang. Karsten hat vor Schmerzen nichts mitbekommen, Marian war sich sicher: „Das war Silber!“ Und tatsächlich – am Siegersteg gab’s offiziell Medaillen. Die Eltern strahlten, die Vereinskollegen jubelten, es gab Eiskugeln, Kuchen, Kaffee, Schulterklopfen und viele Umarmungen wurden umarmt. Erster Regattatag: Check!

Am Sonntag sollte Tatjana noch um 11:30 Uhr im Skiff starten – ihre Lieblingsdisziplin. Doch das Wetter hatte andere Pläne: Wind, Wellen und ein paar ungewollte Bojen-Kontakte machten ihr das Leben schwer. Und wieder: Sabine Winkler war vorne.
Der Medaillenspiegel des diesjährigen DRV Masters-Championat:
- Rennen 26: 2. Platz im Doppelzweier der Männer Alterkategorie B (MM 2x B): Karsten Beßner und Marian G. Münch
- Rennen 24: Doppelzweier der Frau Alterskategorie F und G (MW 2x F-G): Regina Weißkopf und Tatjana Eggeling
- Rennen 86: Einer der Frauen Alterskategorie F (MW 1x F): Tatjana Eggeling
Am Ende steht nach all den Überraschungen, den Glückwünschen und der Freude auch eine schale Erkenntnis: Rudern mag verletzungsarm sein, ist aber körperlich anstrengend. So anstrengend, dass es am Samstag während des allgemeinen Renngeschehens am Steg einen Notarzteinsatz gab. Ein Mitruderer hatte wohl unmittelbar beim Zieleinlauf einen Herzinfarkt erlitten. Wir wissen nicht wer genau, wie alt, wie gut trainiert oder wie erfahren. Dem Vernehmen nach nahm diese überraschende Wende der guten Stimmung aber ein gutes Ende. Dem Mann konnte geholfen werden und er hat es überlebt.

Karsten B.